Der Heziloleuchter
Der mit einem Durchmesser von über 6 m größte der vier im deutschsprachigen Raum erhaltenen mittelalterlichen Radleuchter (Barbarossa-Leuchter in Aachen, Hartwig-Leuchter auf der Großcomburg sowie Azelin-Leuchter in Hildesheim) wurde zuletzt in den Jahren 1901/02 umfassend überarbeitet. Zum Teil gravierende Schäden an Fügungen und Material des Leuchters waren Anlass für die jüngste Restaurierungsmaßnahme, die von 2002 bis 2007 andauerte. Die gesamten Kosten lagen bei rund 1,3 Millionen Euro.
Funktion / Symbolik
Der Leuchter symbolisiert die endzeitliche Vision der aus dem Himmel Gottes herabkommenden heiligen Stadt, das "Himmlische Jerusalem" mit seinen 12 Toren, wie es der Text der Offenbarung des Johannes schildert (Offenbarung 21-22). Die Wirkung der 72 Kerzen, die das Dunkel des Kirchenraums morgens bzw. abends erhellten, muss für die Kirchgänger beeindruckend gewesen sein.
Durch die dunkel gestrichene, kaum sichtbare Tragkonstruktion schien der Leuchter zu schweben und damit tatsächlich "vom Himmel herabzukommen". Die eigentliche Pracht des Kunstwerks zu seiner Erbauungszeit kann bis heute noch nicht nachvollzogen werden, da noch wenig über frühere Schmucksteine und -figuren bekannt ist.
Bau- und Reparaturgeschichte / Restaurierungsziel
Der Radleuchter wurde von Bischof Hezilo (1054 - 79) für den von ihm wiederaufgebauten Hildesheimer Dom in Auftrag gegeben. Die erste bisher bekannte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1276. Quellen des 16. Jahrhunderts berichten von Beschädigungen des Leuchters, welche zu der ersten dokumentierten Restaurierung durch den Goldschmied Sebastian Korber führten. Die zweite bekannte größere Reparaturmaßnahme erfolgte 1818 auf Veranlassung des Domvikars Todt, nachdem im Zuge der Barockisierung des Dominneren zu Beginn des 18. Jahrhunderts bereits die Entfernung des Leuchters in Erwägung gezogen worden war.
Die dritte - und bisher letzte - umfassende Restaurierung führte Professor Küsthardt in den Jahren 1901/02 durch. Elektrisches Licht ersetzt die Kerzenbeleuchtung des Leuchters seit 1904. In den Wirren des 2. Weltkriegs wurde der Leuchter 1943 abgenommen, zerteilt und andernorts verwahrt. Auf diese Weise überstand das Kunstwerk die Zerstörung des Hildesheimer Domes im Jahr 1945. Bevor der Leuchter 1960 im wiederaufgebauten Dom seinen Platz einnahm, hing er nach einer notdürftigen Reinigung im Jahr 1949 für 10 Jahre in der St. Bernwardskirche in Hildesheim.
Ziel der jüngsten Restaurierungsmaßnahmen war die behutsame Sicherung und Sanierung des Leuchters. Die Bewahrung von Bestand und Funktion ist grundsätzliche Voraussetzung; Maßnahmen zur Rekonstruktion früherer Bauzustände wurden nicht vorgenommen. Störende und schädigende Überzüge, Farbschichten und Korrosionsprodukte wurden von den Blechen entfernt. Alle noch vorhandenen Vergoldungen blieben erhalten, auch wenn sich Korrosionsprodukte unter dem Gold befanden. Feste Verbindungen und Nieten wurden nicht gelöst, sofern dies zur Entfernung störender und schädigender Schichten nicht zwingend erforderlich war. Wurden beschädigte Teile ausgebessert, so erfolgte die Reparatur, am Bestand orientiert, in handwerklicher Goldschmiedetechnik. Das statische Gefüge blieb erhalten. Das Traggerüst verblieb während der gesamten Restaurierung im Dom und wurde nicht bearbeitet. Einzelne Baugruppen wurden nach und nach entnommen, durch "Dummies" am Leuchter ersetzt, restauriert und abschließend wieder montiert. Die Zerlegung der Gruppen in die einzelnen Bauteile und deren Restaurierung wurde in der Restaurierungswerkstatt vor Ort (Domhof 24) durchgeführt.
