Schöpfung / Umweltschutz - Aktuelles
Der Ökumenische Kreuzweg der Schöpfung 2011 hat durch die dramatischen Ereignisse im japanischen Atomkraftwerk Fukushima eine furchtbare Aktualität bekommen. Jenseits menschlicher Vorstellungskraft geschieht es auf einmal, das statistisch so unwahrscheinliche Restrisiko. Bei aller Kritik gilt zunächst unser Mitgefühl und unsere Solidarität den betroffenen Menschen in Japan! Diese apokalyptische Situation, die wir weltweit im Fernsehen und im Internet jederzeit mitverfolgen können, sollte uns als Menschheitsfamilie zusammenrücken lassen. Nur gemeinsam lösen wir im 21. Jahrhundert die Probleme unseres Planeten!
Wie wichtig dabei engagierte Bürgerinnen und Bürger sind, machte der Präsident des Deutschen Bundestages, Dr. Norbert Lammert, beim Auftakt des Ökumenischen Kreuzweges in Hannover am Beispiel des Mauerfalls in Deutschland vor 20 Jahren deutlich. Gerade die Christen und die Kirchen haben dabei eine entscheidende Rolle gespielt und sollten diese Rolle auch beim Umweltschutz übernehmen. In Verantwortung vor Gott als den Schöpfer allen Lebens haben sich die deutschen Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Paderborn vom 14. bis 17. März 2011 zum Thema Atomkraft geäußert:
"Durch die Geschehnisse in Japan ist die Frage nach der Sicherheit der Kernenergie zurecht neu gestellt worden. Die entsprechenden Antworten sind an erster Stelle von Experten auf diesem Gebiet zu geben. Doch die christliche Schöpfungsverantwortung verpflichtet uns, dafür einzutreten, die von Gott geschenkte Erde für alle Geschöpfe als zukunftsfähiges 'Lebenshaus' zu bewahren. Nachhaltiges Handeln verlangt die Solidarität mit gegenwärtigen und nachfolgenden Generationen. Es bedarf der Bereitschaft zum Umdenken und Handeln im Sinne der Erhaltung einer menschen- wie umweltgerechten Gestaltung der Schöpfung.
Seit längerem steht die Energiefrage im Raum: erschöpfbare Ressourcen, die bedrohlichen Folgen des Klimawandels und die Tatsache, dass immer noch einem beträchlichen Teil der Menschheit ein offener und kostengünstiger Zugang zu Energie fehlt, machen ein Umsteuern der Energiepolitik dringend notwendig. Es muss darum gehen, den Energieverbrauch zu verringern, die Effizienz der Energienutzung zu verbessern und die Suche nach alternativen Energien mit aller Kraft voranzutreiben. Dass es wichtig ist, sich in der Energieversorgung nicht auf eine Energieart festzulegen und verschiedene sich ergänzende Wege einzuschlagen zeigt der Blick nach Japan.
Die Frage, ob Kernenergie in diesem Energiemix eine dauerhafte tragfähige Lösung ist, kann angesichts ihrer schwerwiegenden – selbst für ein Hochtechnologieland wie Japan – kaum beherrschbaren Risiken und ungelösten Folgeproblemen nur verneint werden. Die verantwortlichen Regierungen und Führungskräfte, nicht nur in Deutschland, sind aufgerufen, mit allen verfügbaren Mitteln die Sicherheit der Kernenergie zu überprüfen und den Mut zu haben, sie neu zu bewerten und entsprechende Konsequenzen auch mit Blick auf die Laufzeitverlängerung zu ziehen." (Erzbischof Dr. Robert Zollitsch im Pressebericht zur Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2011, www.dbk.de)
Damit bestätigen die deutschen Bischöfe noch einmal gemeinsam die Stellungnahme "Kirche - Kernenergie - Klimawandel", die die Diözese Hildesheim im letzten Jahr beim Philosophischen Institut Hannover in Auftrag gegeben hatte. Nicht umsonst heißen die drei letzten Stationen unseres Ökumenischen Kreuzweges 2011 Gorleben (27. März), Schacht Konrad (3. April) und Asse (10. April), allesamt Orte von faktischen, genehmigten oder zu erforschenden Atommüll(end)lagern.
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Jürgen Selke-Witzel Umweltbeauftragter der Diözese Hildesheim |

