Krankenhausseelsorge - Pastoraltheologisches Profil

Wenn es in der Welt der Medizin um „Heilung“ geht, dann ist damit zunächst die Wiederherstellung der körperlichen und seelischen Gesundheit im Sinne der Beseitigung von Krankheits-Symptomen gemeint. Der theologische Begriff „Heil“ schließt diese Dimension durchaus ein. Er überschreitet in seiner Bedeutung aber die Grenzen des menschlich Machbaren. „Heilung“ im pastoralen Sinne meint nicht nur die Bekämpfung einer Krankheit und ihrer Symptome, sondern bedeutet auch die Unterstützung eines Menschen beim Versuch, seine Erkrankung auf dem Hintergrund seines Lebens einordnen zu können und sie zu integrieren.

Seelsorge geschieht als Zuwendung zu den Kranken im Geiste des Evangeliums und als Begleitung in der „Wüste der Krankheit“. Seelsorge bedeutet deshalb auch das Aushalten der „Durststrecken“ und der scheinbaren Abwesenheit Gottes. Seelsorge bedeutet aber auch die Zusage von Heil und Leben im Namen des „Gottes mit uns und für uns“, der sich in der Wüste dem Volk Israel als JAHWE, der „Ich-Bin-Da“, gezeigt hat.

Der Seelsorger hält dabei das Bewusstsein wach, dass dieser Gott nicht verfügbar ist, dass er gerade angesichts des Leids und der Leiden der Menschen der letztlich nicht Begreifbare bleibt, dass Fragen nach dem „Warum?“ und „Wozu?“ oft ohne Antwort bleiben.

Mit den kranken Menschen und den betroffenen Begleitenden teilt die Seelsorgerin nicht selten das Gefühl, dass Gott uns in der Not unseres Lebens fern, ja abwesend erscheint. Sie rechnet aber damit, dass im gemeinsamen Aushalten von Ohnmacht und Hilflosigkeit und in der Solidarität mit den Schwachen die Gegenwart Jesu Christi und seines heilenden Heiligen Geistes erfahrbar wird.

Die seelsorgliche Begegnung eröffnet Räume für die Erfahrung des mitgehenden und solidarischen Gottes, wie er sich den Menschen in Jesus Christus offenbart hat und sich selbst mitteilt; Reden und Schweigen, Aushalten und Mitgehen, Hören und Erschließen des Wortes Gottes sowie die Feier der Sakramente sind solche Räume, in denen die Vergegenwärtigung Christi sich vollziehen kann.

Im Bistum Hildesheim sind 38 Frauen und Männer aller pastoralen Berufsgruppen vom Bischof mit dem Dienst in der Krankenhausseelsorge beauftragt. Sie sind für ihre Arbeit in Krankenhäusern und Kliniken besonders aus- und fortgebildet. In der „Krankenhausseelsorgekonferenz“ treffen sie sich zweimal jährlich zum fachlichen Austausch.