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Teresianische Karmel-Gemeinschaft

Zur Geschichte des Karmels

Seinen Namen verdankt der Karmelitenorden einem langgestrecktem Bergrücken an der Mittelmeerküste in Palästina. ”Karmel” heißt ”Baumgarten”. Schon im Alten Testament hat dieser Berg die Menschen zum stillen Verweilen und Gebet eingeladen. Hier lebte der Prophet Elija, der geistige Vater des Karmelitenordens, dessen Ausspruch ”Es lebt der Herr, vor dessen Angesicht ich stehe!” das Karmel-Ideal umschreibt. Sein Schüler Elischa und die Prophetenjünger hielten diesen Geist lebendig. Jahrhunderte hindurch haben immer wieder Gottsuchende sich in die Einsamkeit des Kamel zurückgezogen. Zur Zeit der Kreuzzüge ließen sich Pilger und Kreuzfahrer aus dem Abendland um die Eliasquelle am Berg Karmel nieder; ihnen, den ”Brüdern U. L. Frau vom Berge Karmel”, gab der lateinische Patriarch Albert von Jerusalem um das Jahr 1209 eine Lebensregel, deren Kernsatz lautet: ”Tag und Nacht im Gesetz des Herrn betrachten und im Gebet wachen, wenn man nicht durch anderweitige Beschäftigung rechtmäßig in Anspruch genommen ist.”

Als die Sarazenen das Heilige Land wieder eroberten, siedelten die Karmeliten nach Europa über und fassten dort rasch Fuß. Die erste Gründung auf deutschem Boden erfolgte 1249 in Köln. Durch verschieden Zeitumstände bedingt, erschlaffte im späteren Mittelalter die ursprüngliche Strenge im Orden. Mehrere Reformversuche wurden unternommen. Im Jahr 1563 gründete Teresa von Avila den Schwesternkarmel San José zu Avila und 1568 zusammen mit dem hl. Johannes vom Kreuz das erste Männerkloster der Reform zu Duruelo. Die Teresianische Reform, auch ”Unbeschuhter” Karmel genannt, verbreitete sich sehr rasch.

Heute gibt es in Deutschland sieben Niederlassungen des männlichen Zweiges und 21 Karmelitinnenklöster der Teresianischen Reform, das jüngste in 30627 Hannover, Milanstr. 1.

Was bedeutet Teresianische Karmel-Gemeinschaft?

Eine Form, in der Christen auch außerhalb einer klösterlichen Gemeinschaft und entsprechend ihrem Beruf und Lebensstand die Spiritualität des Karmel leben können, bietet die Zugehörigkeit zu einer Teresianischen Karmel-Gemeinschaft. Solche Gemeinschaften – je unterschiedlich verfasst – lassen sich – ähnlich wie die Orden selbst – bis ins 13. Jahrhundert in geistliche Laienbewegungen hinein zurückverfolgen, wurden aber mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in ein neues Licht gerückt. Die Karmelgemeinschaften sollen das Charisma des Karmel leben, d.h. Zeugen der Gegenwart Gottes in der Welt sein, geschwisterliche, christliche Gemeinschaften bilden, die prophetische Dimension der Taufe erfüllen, Glaube, Hoffnung, Liebe bezeugen – und zwar in ihrem Stand in der Welt, als Eheleute, unverheiratet Gläubige und Kleriker.

Die Gemeinschaften sind weder Ersatz für ein verhindertes reguläres Ordensleben noch esoterische Spielwiesen oder Rückzugsterrains für eine privat Idylle; sie wollen eine eigenständige, aus dem Leben erwachsende Spiritualität entwickeln. Wer sich durch Beschäftigung mit dem Karmelheiligen angesprochen fühlt, kann über die Vorsitzenden und geistlichen Beiräte zu der Teresianischen Karmel-Gemeinde in seiner Wohnortnähe Kontakt aufnehmen und an deren Treffen teilnehmen. Nach einer ca. zweijährigen Teilnahme wird eine Entscheidung erwartet, ob eine dauerhafte Mitwirkung und Aufnahme als Mitglied über verschiedenen Stationen in Frage kommt oder ein Verbleib im Freundeskreis der Gemeinde. Auch ein Ausscheiden ist möglich. Die Karmel-Gemeinden haben in je eigenständiger Entscheidung für den Alltag ihrer Mitglieder Rahmenbedingungen formuliert, über die am besten die jeweilige Gruppe selbst Auskunft geben kann.

Die Teresianische Karmel-Gemeinschaft Hildesheim nahm bei ihren ersten Zusammenkünften 1966 eine karmelitische Tradition wieder auf, die im Bistum Hildesheim bis zu einem Kloster in Marienau bei Hameln ca. 600 Jahre zurückreicht. Seit 1971 wird die Gruppe von Klaus Funke begleitet, dem heutigen Propst von St. Clemens in Hannover. Mit der Überreichung der Urkunde am 16.3.1986 wurde die vorhandene Gruppe in eine selbstständige Gemeinschaft überführt.

Die Teresianische Karmel-Gemeinschaft Hildesheim hat zz. sechzehn Mitglieder. Sie trifft sich in der Regel einmal monatlich freitags im Paulusheim der Vinzentinerinnen von Hildesheim zum Gedankenaustausch, zu geistlichen Impulsen, zu Gottesdienst und Agapemahl. Einmal jährlich sind Einkehrtage vorgesehen, die neben Vorträgen und Aussprachen auch Zeiten der Stille umfassen. Mit der Ankunft der Karmelitinnen aus Reykjavik/Island im September 1998, die das Kamelitinnenkloster in Hannover aufbauen, hat auch für unsere Gruppe eine neue Zeit angefangen, da damit eine Zusammenarbeit zu wechselseitiger Unterstützung und Bereicherung in Gang gesetzt werden kann.